Größe: 89 ha
Landkreis: Ludwigslust-Parchim
Unterschutzstellung: 24. 9. 1990; Verkleinerung 13. 1. 1997
Schutzzweck: Erhalt und Entwicklung von Mooren, Bruch- und Laubwäldern mit einer ausgewiesenen Naturwaldzelle; Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushaltes des Gebietes.  

Lage: Das Schutzgebiet liegt 1 km südöstlich der Ortschaft Karow, in Höhen von 64,5 - 67,9 m NN. Es gehört zur Landschaftseinheit ,,Großseenlandschaft mit Müritz, Kölpin- und Fleesensee".
Geologie und Wasserhaushalt: Das Brantenseegebiet liegt in einer weiträumigen Mulde, die auf Tieftauen verschütteten Toteises des Frankfurter Eisvorstoßes zurückgeht. Spalten im Gletschereis wurden im Verlauf des Abtauprozesses von Schmelzwässern benutzt und zu Rinnen geformt. Durch eine derartige Rinne entwässert die Niederung, die bis in das 19. Jh. durch einen See eingenommen wurde, in den Plauer See. Bemerkenswert ist die Existenz mehrerer tief eingesenkter, heute vermoorter Kessel im Nordteil des Gebietes. Das Kesselmoor östlich der Bahnstrecke ist hydrologisch mit dem Brantensee verbunden.
Nutzungsgeschichte: Ende des 18. Jh. existierte nach der WIEBEKINGSCHEN KARTE im Gebiet eine Seefläche, der Brantensee, mit einer Größe von ca. 50 ha. Er war über zwei südlich der Seefläche gelegene Rinnen, in denen Gräben verliefen, mit dem Plauer See verbunden. Um 1880 war der See bereits abgelassen. Die nördlich des ehemaligen Sees gelegenen kleinen Kesselmoore waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit der zentralen Moorfläche verbunden. Durch den Bau der Bahntrasse Krakow - Plau und den Bau der heutigen Bundesstraße 192 wurden die Moorflächen angeschnitten. Die im Nordteil des Gebietes gelegenen Kesselmoore entwässern heute über ein Grabennetz in die Brantenseeniederung. Über die südöstlich gelegene Rinne wird das gesamte Niederungsgebiet zum Plauer See hin entwässert. Die hier eingebaute Stauanlage bestimmt den Wasserabfluss aus dem Gebiet. Die Moorniederung wurde ursprünglich nur in den höher gelegenen Randbereichen von Bruchwäldern eingenommen. Erst nach der Entwässerung konnten sich Feuchtwälder auch im Zentrum der Niederung ausbreiten. Forstlich wird das Gebiet seit ca. 100 Jahren genutzt, wobei die ältesten Stiel-Eichen im Randbereich des Brantensees, auf den alten Seeterrassen, ein Alter von ca. 200 Jahren aufweisen. Nichtheimische Baumarten wie Sitka-Fichte und Gemeine Fichte wurden, vor allem seit den 1960er Jahren, im stärker entwässerten Niedermoor gepflanzt. In den 1980er Jahren hatte die Entwässerung ein solches Ausmaß erreicht, dass durch den Funkenflug einer Dampflok ein mehrere Monate andauernder Torfbrand ausgelöst wurde. Nach der Unterschutzstellung im Jahre 1990 wurde durch systematische Wasserrückhaltung die Wiedervernässung des Moores eingeleitet.
Pflanzen- und Tierwelt: Auf den freien Wasserflächen sind z. T. ausgedehnte Bestände von Wasserfeder, Froschbiss, Gemeinem Wasserschlauch sowie Wasserlinsen-Schwimmdecken zu finden. Daneben existieren Schwingrasen aus Torfmoos-Seggenrieden und Braunmoos-Seggenrieden. Diese werden von Wasserlinsen-Schilfröhrichten umrahmt. Im Bereich der ehemaligen Seefläche hat sich auf den forstlich unbeeinflussten, weniger nassen organischen Standorten ein Pionierwald aus Grau-Weiden, Schwarz-Erlen und Moor-Birken eingefunden. Im Übergangsbereich zu den Mineralbodenstandorten bildet die Stiel-Eiche zusammen mit der Gemeinen Esche ein Zwischenwaldstadium. Kranich, Graugans, Rohrweihe, Blässralle, Wasserralle und Bekassine sind regelmäßige Brutvögel. Die Laubholzbestände im Südosten des Gebietes bieten Brutplätze für Rot- und Schwarzmilan, Mäusebussard, Schwarzspecht und Hohltaube. Daneben finden Rotbauchunke, Moorfrosch, Grasfrosch und Erdkröte geeignete Lebensräume im Gebiet. Im Gebiet wurden an Pilzen u. a. der Zähling Lentinellus castoreus, der Saprophyt Phleogena faginea und der Mykorrhiza-Pilz Russula heterophylla nachgewiesen.
Gebietszustand und Entwicklungsziele: Der Gebietszustand ist gut, obwohl die jahrhundertelangen Entwässerungen zu Veränderungen insbesondere im Oberboden des Moores geführt haben. Durch die aufgetretenen Moorsackungen entstand in den Senken ein ausgeprägtes Mikrorelief. Ziele sind der Erhalt und die Wiederherstellung eines waldfreien Niedermoores im Bereich der ehemaligen Seefläche, die Sicherung der Dynamik des nährstoffarmen Kesselmoores im Nordostteil des Gebietes sowie die unbeeinflusste Waldentwicklung in den ausgewiesenen Naturwaldzellen. Voraussetzungen hierfür sind die konsequente Wasserrückhaltung am Hauptentwässerungsgraben sowie die Nutzungsaufgabe weiterer Waldflächen.
Öffentliche Nutzung: Bemerkenswert ist ein Mausoleum der Familie SCHLUTIUS aus Karow aus dem Jahr 1916, das sich im nördlichen Randbereich des heutigen Naturschutzgebietes befindet. Das Betreten des Gebietes ist nur im Bereich des Mausoleums möglich.

 

Quelle: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): "Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern", Schwerin, Demmler Verlag 2003, 720 S. - ISBN 978-3-910150-52-2. Mit freundlicher Genehmigung (c) Demmler Verlag

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