Größe: 270 ha
Landkreis: Vorpommern-Greifswald
Unterschutzstellung: 27.05.1960
Schutzzweck: Erhalt und Entwicklung einer ursprünglich mesotrophen Talmoorblänke mit angrenzenden Durchströmungsmoorflächen sowie einer in Vorpommern sehr seltenen Binnensalzstelle und eines Kalksumpfes; Schutz eines überregional bedeutsamen Brut-, Durchzugs- und Rastgebietes für Wasservögel.

 

Lage: Das Schutzgebiet liegt etwa 10 km nordöstlich der Kreisstadt Pasewalk in einem westlichen Ausläufer des Randowtales, in Höhen von 7 – 8 m NN. Der Große Koblentzer See gehört zur Landschaftseinheit „Randowtal“.
Geologie und Wasserhaushalt:Der Große Koblentzer See befindet sich in einem von Schmelzwasser ausgeformten gefällearmen Seitental der Randowniederung. Dieses Seitental vermoorte im Holozän und stellt heute ein von einzelnen Mineralbodenrücken „durchragtes Durchströmungsmoor“ dar. Der Große Koblentzer See ist wie einige weitere Seen als wassergefüllte Talmoorblänke in diesem Niedermoorgebiet erhalten geblieben. Das Wasser des Großen Koblentzer Sees ist gering salzhaltig. Die Salzstellen am Ufer des Sees sind durch das Aufsteigen salzhaltigen Grundwassers aus der Kreide bedingt, die hier an der Nordflanke der Salzstruktur Löcknitz in etwa 50 m Tiefe ansteht. Dabei wird der Aufstieg des Salzwassers durch „Fenster“ (Lücken) im hier geringmächtigen stauenden Tertiärton ermöglicht. Durch den Betrieb eines Schöpfwerkes, das das angrenzende Zerrenthiner Grünland entwässert, wird Fremdwasser durch den Großen Koblentzer See geleitet. Dies führt dazu, dass das Wasservolumen des Sees im Durchschnitt einmal jährlich ausgetauscht wird.
Nutzungsgeschichte: Bis in das 17. Jahrhundert wurde am Südwestufer des Sees eine Saline betrieben, die vermutlich in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges unterging. In der SCHMETTAUSCHEN KARTE von 1780 sind die an den See grenzenden Niedermoorflächen noch weitgehend unentwässert. Am Südufer des Sees sind zwei „Saltzbrunnen“ eingezeichnet. 100 Jahre später wurden alle Niedermoorflächen als Grünland genutzt. Beginnend mit dem Jahr 2005 wurde die Renaturierung, das heißt die „Wiedervernässung“ der jahrzehntelang für die Landwirtschaft meliorierten Flächen angegangen. Damit soll erreicht werden, dass sich der Wasserhaushalt in der Landschaft auf hohem Niveau wieder stabilisiert und sich die ursprünglich vorkommenden Tier und Pflanzenarten wieder ansiedeln können. Gleichzeitig werden bestimmte Flächen aber weiterhin durch Beweidung bewirtschaftet um für typische Pflanzen und Tiere der Kulturlandschaft den Lebensraum zu erhalten.
Pflanzen- und Tierwelt:Durch die eingeleiteten Wiedervernässungsmaßnahmen soll eine moor- und feuchtgebietstypische Lebensraumvielfalt entwickelt werden. Neben beweideten Grünlandflächen sind das Riede und Röhrichte, artenreiche Feuchtwiesen und Salzgrünland sowie offene Wasserflächen. Schon heute zeigt sich, dass sich die Artenvielfalt stark erhöht hat. Insbesondere die Vogelwelt profitiert erkennbar von diesem Prozess und hat sich in einer größeren Vielfalt in den Grünlandflächen rund um den Großen Koblentzer See eingefunden. So brüten im Gebiet Bekassine, Rohrdommel und Kranich. Der See wird außerdem von Kranichen als Schlafplatz auf dem Herbstzug genutzt. Weitere Rastvögel sind Großer Brachvogel, Rauchschwalbe sowie Bach- und Schafstelze.
Gebietszustand und Entwicklungsziele:Für die Beeinträchtigung des Naturhaushaltes durch den Bau und Betrieb der Bundesautobahn A20 im Bereich Neubrandenburg bis Pasewalk bestand nach deutschem Naturschutzrecht eine Ausgleichsverpflichtung. Das heißt: wurde an einer Stelle Natur verschlechtert, musste sie an anderer Stelle wieder aufgewertet werden. Basierend auf einer flächendeckenden Erfassung des Gebietszustands erschienen die Koblentzer Seewiesen am geeignetsten, eine großflächige Kompensationsmaßnahme für diesen Autobahnabschnitt durchzuführen. Seit dem Jahr 2010 betreut unsere Stiftung die 500 ha große Maßnahme.
Öffentliche Nutzung:Hinter dem alten Gutshof in Koblentz führt ein Weg zum Großen Koblentzer See. Besucher haben besonders im Herbst die Möglichkeit, von zwei am Südostufer befindlichen Beobachtungskanzeln den abendlichen Gänse- und Kranich-Einflug zu erleben.

 

Verändert nach: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): "Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern", Schwerin, Demmler Verlag 2003, 720 S. - ISBN 978-3-910150-52-2. Mit freundlicher Genehmigung (c) Demmler Verlag

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