Größe: 1 189 ha
Landkreis: Rostock
Unterschutzstellung: 08.08.1932; Erweiterung 21.11.2000
Schutzzweck: Erhalt eines vielfältig strukturierten meso- bis eutrophen Sees, der von der Nebel durchflossen wird; Schutz als Brut- und Rastplatz zahlreicher Wasservögel und als Lebensraum für See- und Fischadler; Pflege der als Hutung genutzten Offenlandschaften; Schutz der bewaldeten Inseln.

Lage: Das Schutzgebiet liegt 3 km südöstlich von Krakow am See. Es gehört zu den Landschaftseinheiten „Krakower Seen- und Sandergebiet“ und „Großseenlandschaft mit Müritz, Kölpin- und Fleesensee“.
Geologie und Wasserhaushalt: Im Westteil des Sees existiert eine NNO-SSW-streichende, mehr als 20 m tiefe Rinne am Seeboden. Ausgespült wurde diese Rinne durch Schmelzwässer der Pommerschen Haupteisrandlage, die am Nordrand des Krakower Sees verläuft. Die Eisrandlage des Pommerschen Maximalvorstoßes quert den Obersee in Höhe der Dorfstätte. Der Südteil des Sees liegt im Sander beider Eisvorstöße. An den Seeufern sind 3 Terrassen festgestellt worden: die spätglazialen 5- und 2-m-Terrassen sowie die anthropogene 1-m-Terrasse. Ständigen Zufluss hat der See durch die Nebel, aus dem Bossower und dem Glambeck-See sowie aus landwirtschaftlich genutzten Bereichen bei Möllen, Glave und nördlich der Teichwirtschaft Dobbin. Alle Zuflüsse waren und sind z. T. noch erheblich mit Nährstoffen belastet. Der See ist im Sommer stabil geschichtet; in den tieferen Zonen herrscht dann Sauerstofffreiheit.
Nutzungsgeschichte: Auf der 2-m-Terrasse am Möllener See ist ein mesolithischer Siedlungsplatz gefunden worden. Eine slawische Siedlung und vermutlich auch eine slawische Burganlage existierten an der so genannten „Dorfstätte“, einer markanten Halbinsel, die westlich der Ortschaft Dobbin in den Krakower Obersee hineinragt. Auf der WIEBEKINGSCHEN KARTE von 1786 sind die unmittelbaren Uferbereiche im Süden als Weiden dargestellt, während im Osten die Ackerflächen bis nahe an den See reichten. Auf den vermutlich ebenfalls beweideten Inseln sind Laubgehölze erkennbar, ohne dass zusammenhängende Wälder existierten. 1884 wurde beim Bau der Straße Krakow – Dobbin ein Damm geschüttet, der den Krakower Obersee weitgehend vom Krakower See abtrennt. Auf dem Großen Werder erfolgte seit langem eine Beweidung mit Jungrindern, ab 1997 zusätzlich auch mit Schafen und Ziegen. Der Krakower Obersee wird seit Jahrhunderten mit Reusen- und Zugnetzen befischt. Am Wadehäng und vor der Teichwirtschaft Dobbin erfolgte bis 1990 in Netzkäfigen Forellenmast, was mit hohen Nährstoffeinträgen in den See verbunden war. Seit 1981 ist der See für den Sportbootverkehr ganzjährig gesperrt.
Pflanzen- und Tierwelt: Die submerse Vegetation des Krakower Obersees wird von Kamm-Laichkraut, Sumpf-Teichfaden, Spiegelndem und Durchwachsenem Laichkraut sowie in Buchten von Schwimmblattarten dominiert. Erst in jüngerer Zeit regeneriert sich die für den See typische Armleuchteralgen-Vegetation mit Chara globularis und Chara contraria, daneben treten auch Chara delicatula, Nitellopsis obtusa, Nitella flexilis und Vaucheria dichotoma auf. Ebenso konnte die seltene Netzalge Hydrodictyon reticularum gefunden werden. Die Ufer werden auf größeren Strecken von Verlandungsröhrichten eingenommen. Vor den Viehkoppeln sind diese weitgehend vernichtet. Die windgeschützten Röhrichte am Westufer sind breiter und artenreicher ausgebildet als jene am Ostufer. Der Große Werder ist die einzige waldfreie Insel. Auf der beweideten Uferterrasse haben sich Kleinseggenrasen mit Natternzunge, Breitblättrigem Knabenkraut und Großem Zweiblatt entwickelt. Die Senke im Mittelteil wird von Großseggenrieden eingenommen. Auf den höher gelegenen Flächen der Insel ist eine trockene Magerweide mit Wiesen-Primel, Knöllchen-Steinbrech und Knolligem Hahnenfuß ausgebildet. Neben dem Grünland auf dem Großen Werder gehören Weideflächen am Südufer (Glaver Koppel) sowie am Ostufer von der Halbinsel Dorfstätte bis nahe Glave zum Schutzgebiet. Nördlich und südlich der Teichwirtschaft Dobbin existieren ebenfalls Feuchtgrünländer mit Quellbereichen. Es handelt sich zumeist um Seeterrassen, auf deren Kalkmudden geringmächtige Niedermoortorfe aufliegen. Am artenreichsten sind die Weiderasen im nördlichsten Teil der Glaver Koppel und auf der Halbinsel südlich des Wadehängs ausgeprägt. Fleischfarbenes Knabenkraut, Breitblättriges Knabenkraut (Glaver Koppel 1989 ca. 7 000 blühende Ex.), Sumpf-Sitter (Glaver Koppel 1989 ca. 1 000 blühende Ex.), Sumpf-Läusekraut, Sumpf-Herzblatt, Großer Klappertopf, Fieberklee, Sumpf-Blutauge, Kuckucks-Lichtnelke, Kleiner Baldrian, Sumpf- Dreizack, Gemeiner Wassernabel, Breitblättriges Wollgras, Faden-Segge, Zweihäusige Segge und Saum-Segge kommen hier vor. Auf den Inseln Lind-, Stein-, Lock- und Rauhwerder stocken Altwaldbestände mit Rot-Buche, Berg-Ahorn, Stiel-Eiche und Esche, bemerkenswert sind die Bestände von Sommer- und Winter-Linde. Auf dem Rauhwerder sind zahlreiche Berg-Ulmen abgestorben. In den entstandenen Lücken hat sich die Ulme zahlreich verjüngt. Die Bodenvegetation wird von Frühblühern wie Wald- Bingelkraut, Gelbem und Busch-Windröschen, Mittlerem und Hohlem Lerchensporn, Christophskraut, Zwiebel-Zahnwurz, Goldnessel, Echtem Lungenkraut, Vielblütiger Weißwurz, Leberblümchen, Frühlings- Platterbse, Einbeere und Schuppenwurz geprägt. Auf Hardenort und Süfs dominieren Erlen, Moor- Birken, Espen sowie Kreuzdorn- und Weidengebüsche. Erwähnenswert sind die großen Bestände der Einbeere und der Vielblütigen Weißwurz sowie von Spring-Schaumkraut. Grauweidengebüsche mit eingesprengten Lorbeer-Weiden finden sich südlich des Möllener Sees. An einigen Uferabschnitten stocken Erlenbruchwälder mit Schwarz-Erle und Moor-Birke. In einem entwässerten Erlenwald südlich Bossow existiert ein großer Bestand des Großen Zweiblattes (1998 ca. 1 000 blühende Ex.). Weite Strecken des West- und Ostufers werden von einem schmalen Waldsaum eingefasst. Es dominiert die Esche; außerdem finden sich Ulmen, Buchen und Stiel-Eichen sowie in der Krautschicht zahlreiche Frühblüher, darunter häufig die Wiesen-Primel. Südlich von Bossow bis zur Glaver Koppel stockt zwischen der B 103 und dem Uferwald ein Kiefernforst, der abteilungsweise bereits mit Buche und Eiche unterbaut wurde. Das Dobbiner Niedermoor, oberhalb des ehemaligen Mühlenteiches Walkmöhl gelegen, enthält Bruchwälder, Röhrichte und Seggenriede. Der vielgestaltige See ist ein bedeutendes Brutgebiet für Möwen, Seeschwalben und Entenvögel. Regelmäßige Brutvögel sind Stockenten, Schnatterenten (10 bis 20 BP), Löffelenten (2 bis 4 BP), Reiherenten (5 bis 10 BP), Tafel- und Schellenten (10 bis 15 BP) sowie Höckerschwäne (6 bis 7 BP) und Graugänse (50 bis 60 BP). In der Möwenkolonie nisten, jährlich schwankend, 3 500 bis 4 500 Paare Lachmöwen und 80 bis 150 Paare Flussseeschwalben. Haubentaucher brüten sowohl einzeln als auch in Kolonien (bis 80 BP). In den Grünlandbereichen nisten Bekassine und Kiebitz (1 bis 20 BP). Nur mit einem oder wenigen Paaren brüten Kranich, Rohrdommel, Rohrweihe sowie Rot- und Schwarzmilan. Neuerdings hat ein Seeadlerpaar wieder einen Horst errichtet. Brutvögel sind außerdem Hohltaube, Eisvogel, Wasser-, Teichund Blässralle. Von den Singvögeln konnten u. a. Drossel-, Teich- und Schilfrohrsänger, Raubwürger, Neuntöter, Wiesenpieper sowie Beutelmeise als Brutvögel nachgewiesen werden. Seit einigen Jahrzehnten dient der See von Juli bis September als Mauserplatz von Reiherente (4 000 bis 10 000 Ex.), Tafelente (800 bis 1 600 Ex.) und Schellente (100 bis 200 Ex.). Nahrungsgrundlage dieser Mausergäste bilden die großen Molluskenbestände, insbesondere die der Wandermuschel. Schlaf- und Nahrungsgäste im Gebiet sind Gänsesäger (200 bis 300 Ex.), Zwergsäger (100 bis 130 Ex.), Sing-, Zwerg- und Höckerschwan (40 bis 70 Ex.), Graugans (1 000 bis 3 000 Ex.), Blässund Saatgans (zusammen 3 000 bis 10 000 Ex.). Die Zahl der Kormorane, die auf dem See fischen und die die Werder als Schlafplatz nutzen, liegt bei etwa 200 Exemplaren. Der See ist Jagdgebiet von je zwei Fischund Seeadlerpaaren. Außerdem halten sich ständig 4 bis 6 nicht verpaarte Seeadler im Gebiet auf; in Zeiten mit besonders günstigem Nahrungsangebot können hier 10 bis 20 Seeadler beobachtet werden. Der Fischotter ist mehrfach im Gebiet anzutreffen. In Kleingewässern laichen alljährlich Erdkröten, Rotbauchunken, Laub-, Gras-, Moor- und Grünfrösche. In der Nebel leben z. B. Bachneunauge, Quappe, Steinbeißer und Bachforelle. Der See ist reich an Süßwasser- Molluskenarten. Auf den flach vermoorten Seeterrassen kommen als seltene Molluskenarten z. B. Bauchige und Linksgewundene Windelschnecke, Flaches Posthörnchen sowie Kugelige Erbsenmuschel vor.
Gebietszustand und Entwicklungsziele: Der Zustand des Gebietes ist gut, obwohl insbesondere der See selbst in den vergangenen Jahrzehnten großen Belastungen ausgesetzt war. Die Nährstoffeinträge aus den Netzkäfighaltungen und aus den angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen wirkten sich nachteilig auf die Wasserqualität aus. Folgen dieser Eutrophierung waren der Rückgang der Armleuchteralgen, ein starker Rückgang des Gemeinen Schilfes, gelegentlich auftretende Massenvermehrungen von Blaualgen (Wasserblüte) und die starke Vermehrung der Wandermuschel. Inzwischen weist die wieder einsetzende Besiedlung mit Armleuchteralgen auf eine Verbesserung der Situation hin. Der Bruterfolg der Inselbrüter wurde in den letzten Jahren sehr negativ von Prädatoren wie Mink, Marder, Fuchs, Wanderratte und Wildschwein beeinflusst. Notwendig ist die weitere Reduzierung der Nährstoffeinträge in den Obersee. Der Große Werder soll langfristig durch Beweidung mit Rindern, Schafen und Ziegen sowie gelegentliche Gebüschrodungen in einem gehölzarmen Zustand erhalten werden. Auch die Uferterrassen im Süden und Osten des Gebietes sollen weiter beweidet werden. Dagegen sollen die bewaldeten Werder und Uferbereiche sowie das Dobbiner Niedermoor weiterhin ungenutzt bleiben. Auf den Werdern muss der Prädatorendruck spürbar verringert werden.
Öffentliche Nutzung: Neben der Glaver Koppel ermöglicht eine Aussichtskanzel einen guten Überblick über die Südhälfte des Krakower Obersees. Eine zweite Aussichtsplattform wurde 1999 am Nordostufer errichtet. Im Juli 2016 wurde eine Rast- und Beobachtungshütte am Radweg zwischen Möllen und Bossow eröffnet. Zu Ehren des langjährigen Betreuers des Naturschutzgebietes trägt der Rastplatz den Namen „Dr.-Neubauer-Blick“. An mehreren Stellen im Gebiet sind Informationstafeln aufgestellt. Bademöglichkeiten bestehen nur in eingeschränktem Maße bei Glave und nördlich der Teichwirtschaft Dobbin. Am Ostufer existiert zwischen Wadehäng und der Teichwirtschaft Dobbin ein ausgebauter Wanderpfad. Mehrere Faltblätter informieren über das Naturschutzgebiet.

 

Quelle: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): "Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern", Schwerin, Demmler Verlag 2003, 720 S. - ISBN 978-3-910150-52-2. Mit freundlicher Genehmigung (c) Demmler Verlag

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