Größe: 43,5 ha
Landkreis: Vorpommern-Rügen 9
Unterschutzstellung: 16. 3. 1938; Erweiterung 13. 7. 1984
Schutzzweck: Erhalt und Regeneration eines durch Entwässerung und Torfabbau stark gestörten, nährstoffarmen Moores mit einer Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten.  

Lage: Das von einer intensiv genutzten Ackerlandschaft umgebene Schutzgebiet befindet sich 1 km nördlich von Mannhagen und 2,5 km südwestlich von Miltzow. Es liegt in Höhen zwischen 23 und 25 m NN und gehört zur Landschaftseinheit „Lehmplatten nördlich der Peene“.
Geologie und Wasserhaushalt: Das Mannhagener Moor liegt in der Grundmoränenlandschaft des jüngsten Eisvorstoßes der Weichsel-Kaltzeit. Die Moormächtigkeit in dem durch anstauendes Toteis angelegten, ursprünglich abflusslosen Senkenbereich beträgt überwiegend unter 2 m, in einzelnen Kesseln bis 8 m. Das Aufwachsen von Moostorfen über den Mudden wurde durch die Nährstoffarmut des Einzugsgebietes und die Nähe zur Küste begünstigt. Das Mannhagener Moor besteht in seiner jetzigen Abgrenzung aus sechs Moorkörpern, die ihrerseits wiederum aus verschiedenen, mehr oder weniger tiefen Kesseln und Senken bestehen. Die Moorkörper sind beinahe ganzjährig hydrologisch voneinander isoliert. Die Senke entwässert heute über einen Graben zum Strelasund.
Nutzungsgeschichte: In den URMESSTISCHBLÄTTERN (1830) ist das gesamte Moor als eine waldfreie Moorfläche mit Torfstichen eingezeichnet. Die gewerbliche Torfnutzung begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach Anschluss der ursprünglich abflusslosen Senke an einen Vorfluter folgten Aufforstungen. Der letzte Hinweis des Torfstechens stammt aus dem Jahre 1920. Bereits am 30. 7. 1920 wurden die ersten 25 ha des Gebietes als Naturdenkmal unter Schutz gestellt, um die entomologischen Besonderheiten des Gebietes zu schützen. Eine erneute Schädigung erfuhr das Moor 1984 durch den Bau von Randgräben.
Pflanzen- und Tierwelt: Auf den Moorflächen treten oligotroph-saure, mesotroph-saure und eutrophe Standorte sowie entwässerte Wald- und Gebüsch standorte auf. In den oligotroph-sauren Bereichen existieren neben einem größeren Wollgras-Birkengehölz noch auf drei Moorkörpern Reste von Grünem Wollgras-Torfmoosrasen, u. a. mit Scheidigem Wollgras, Gemeiner Moosbeere und Rundblättrigem Sonnentau. Auf mesotroph-sauren Standorten kommen Torfmoos-Schlammseggenriede, Torfmoos-Seggen-Wollgrasriede, Torfmoos-Flatterbinsenriede, Torfmoos-Wollgras-Ohrweidengebüsche, Torfmoos-Sumpffarn-Ohrweidengebüsche und Schnabelseggen-Kiefern-Birkenwälder vor. Die Torfmoos-Schlammseggenriede sind als Schwingdecken über ehemaligen Torfstichen ausgebildet. Darauf ist kleinflächig ein Bestand des Torfmooses Sphagnum magellanicum zu finden. Das Torfmoos-Seggen-Wollgrasried ist auf allen Moorkörpern in unterschiedlicher Häufigkeit vorhanden. Auf diesen Flächen finden sich die letzten Standorte der Blasenbinse im NSG. Auf den eutrophen, nassen Flächen stockt ein Walzenseggen-Erlenwald. Auf entwässerten Standorten nehmen Brennnessel-Grauweidengebüsche und Torfmoos-Moorbirkenwälder kleinere Flächen ein. Der Astmoos-Moorbirkenwald bildet im östlichen Teil eine zusammenhängende Waldfläche. Die Mineralstandorte sind durch Gebüsche und Vorwälder gekennzeichnet. Hier kommen ein Brennnessel-Zitterpappelgehölz, ein Pfeifengras-Stieleichenwald, ein Gilbweiderich-Pfeifengras-Stieleichenwald und aufgelassenes Grünland vor. Neben einer jüngeren Ansamung der Stechpalme im Nordwestteil des NSG ist das Vorkommen des stark gefährdeten Königsfarns bemerkenswert. Das Vorkommen seltener Tag- und Nachtfalterarten war ursprünglich der Hauptgrund für die Unterschutzstellung. Insbesondere die auf sauer-oligotrophe Moore angewiesenen Arten konnten damals in größerer Anzahl aufgefunden werden. Einige dieser Moorarten sind in geringer Dichte noch im NSG vertreten. Ursachen des Rückganges sind das Zuwachsen der baumfreien Moorflächen, die die Nahrungspflanzen der Raupen beherbergen, und die Auflassung der ehemaligen Mahdflächen, wodurch die Nahrungspflanzen der Falter verschwanden. 1995 wurden im Mannhagener Moor 4 Amphibien- und 4 Reptilienarten beobachtet, darunter eine Population der Kreuzotter.
Gebietszustand und Entwicklungsziele: Der Zustand des Gebietes ist unbefriedigend. Durch den Bau der Randgräben 1984 wurde das Moor von seinem Einzugsgebiet abgeschnitten. Das Entwicklungsziel, die Regeneration eines durch Entwässerung und Torfabbau gestörten Moorstandortes, ist nur durch eine vollständige Schließung der Gräben möglich. Dies ist zugleich die Voraussetzung für den Erhalt der noch artenreichen Insektenfauna.
Öffentliche Nutzung: Innerhalb des NSG gibt es einen Wanderweg, der aber keinen Anschluss an einen öffentlichen Weg hat. Der Nordwestteil des NSG ist über einen Plattenweg erreichbar.

 

Quelle: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): "Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern", Schwerin, Demmler Verlag 2003, 720 S. - ISBN 978-3-910150-52-2. Mit freundlicher Genehmigung (c) Demmler Verlag

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